Über das Projekt

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die häufigste Form von Leberkrebs. Viele Erkrankungen werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Dann sind häufig aufwendige Behandlungen notwendig, während eine Heilung schwieriger wird. Menschen mit einem erhöhten Risiko für Leberkrebs werden derzeit in der Regel alle sechs Monate untersucht. Dazu gehören eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Blutuntersuchung auf den Tumormarker Alpha-Fetoprotein (AFP). Diese Untersuchungen sind gut verfügbar und vergleichsweise kostengünstig. Kleine oder frühe Tumoren können jedoch manchmal übersehen werden. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann Lebertumoren, insbesondere kleine Veränderungen, genauer erkennen. Sie ist jedoch aufwendiger, teurer und nicht überall in gleichem Umfang verfügbar. 
Das Forschungsprojekt RACOON MARDER untersucht deshalb, wie sich Menschen mit einem besonders hohen Risiko für Leberkrebs frühzeitig identifizieren lassen. Ziel ist es, diesen Patient:innen möglicherweise eine intensivere und gezieltere Früherkennung mittels MRT anzubieten. So könnten mehr Lebertumoren in einem frühen Stadium entdeckt werden und das zu einem Zeitpunkt, an dem eine heilende Behandlung noch möglich sein kann.

Das Wichtigste im Überblick

Ziel von RACOON MARDER ist es, das persönliche Risiko für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC), der häufigsten Form von Leberkrebs, besser einschätzen zu können. Dafür werden verschiedene Informationen zusammengeführt: Medizinische Daten, Begleiterkrankungen und Informationen aus MRT-Untersuchungen. Mithilfe dieser Daten sollen Merkmale, sogenannte Biomarker, identifiziert werden, die auf ein besonders hohes Risiko für die Entstehung eines HCC hinweisen können. Dabei sollen auch Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden. Auf dieser Grundlage entwickeln die Forschenden in RACOON MARDER statistische und KI-gestützte Modelle, um das individuelle Erkrankungsrisiko besser einzuschätzen. Langfristig soll dies eine stärker personalisierte Früherkennung ermöglichen: Menschen mit einem besonders hohen Risiko könnten gezielter und häufiger mittels MRT untersucht werden. Damit könnte die MRT-Untersuchung die bisher übliche Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Leberkrebs künftig sinnvoll ergänzen oder bei bestimmten Patient teilweise ersetzen. Darüber hinaus entsteht im Rahmen des Projekts eine umfangreiche Bilddatenbank. Bei ausreichendem Datenumfang und entsprechender Finanzierung könnte diese künftig auch für die Erforschung anderer Erkrankungen und zur Identifikation weiterer Risikofaktoren genutzt werden.

Für RACOON MARDER werden Daten von insgesamt rund 800 Patient:innen aus mehreren medizinischen Zentren zusammengeführt. Untersucht werden dabei sowohl Bilddaten zum Zeitpunkt der Diagnose eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) als auch frühere Untersuchungen, die zwischen sechs Monaten und fünf Jahren vor der Diagnose durchgeführt wurden. Ergänzt werden diese Informationen durch klinische Daten sowie Ergebnisse weiterer medizinischer Untersuchungen. An den einzelnen Standorten werden zunächst geeignete Patient:innen und die zugehörigen Bilddaten identifiziert. Anschließend wird in den Bilddaten dokumentiert, wo sich das HCC befindet. Zusätzlich werden relevante klinische Informationen und Untersuchungsergebnisse erfasst. Die Daten werden anschließend in pseudonymisierter Form in die zentrale Forschungsplattform RACOON-CENTRAL übertragen. Ziel ist es, pro beteiligtem Standort etwa 25 geeignete Fälle in das Projekt einzubringen. Bevor die Daten für die wissenschaftliche Auswertung verwendet werden, werden sie durch die leitenden Projektstandorte sorgfältig geprüft und aufbereitet. Dieser Schritt soll dazu beitragen, dass die Daten möglichst vollständig, vergleichbar und von hoher Qualität sind. Auf diese Weise entsteht eine umfangreiche, standortübergreifende Datensammlung, die die Grundlage für die weitere Erforschung von Risikofaktoren und Möglichkeiten zur früheren Erkennung von Leberkrebs bildet.

Aktuelles

KI-gestützte Analyse von Leber-MRTs: RACOON-MARDER forscht an früher HCC-Erkennung weiterlesen