Aufbau der „Biobank-Plattform für Deutschland“ startet

Mit dem Aufbau einer bundesweiten Biobank-Plattform beginnt am 1. Juli die Umsetzung eines zentralen Vorhabens aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung sowie der Biotechnologie-Roadmap der Hightech Agenda. Die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte „Biobank-Plattform für Deutschland“ soll den Zugang zu Bioproben wie Blut oder Gewebe sowie den dazugehörigen klinischen und analytischen Daten für die medizinische Forschung erleichtern – unter Einhaltung strengster Qualitäts-, Datenschutz- und Ethikstandards. Bei der Kick-off-Veranstaltung in Berlin standen gestern Dialog, Vernetzung und die künftige Zusammenarbeit im Mittelpunkt. 

Umgesetzt wird das Projekt „Biobank-Plattform für Deutschland“ im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) mit dem dort integrierten German Biobank Network (GBN). Das NUM übernimmt die Trägerschaft der Biobank-Plattform und schafft den strukturellen Rahmen für ihren Aufbau und langfristigen Betrieb. Für den Aufbau der Plattform stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis 2030 Fördermittel in Höhe von rund 50 Millionen Euro bereit. Bis 2030 wird die Plattform organisatorisch, technisch und inhaltlich in die bestehende Forschungslandschaft integriert. Ausgearbeitet wurde das zugrundeliegende Konzept innerhalb der Universitätsmedizin zusammen mit dem German Biobank Network (GBN), mit Fraunhofer Gesundheit, der Deutschen Hochschulmedizin, der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF), dem Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa), dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), dem Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) und dem Biotechnologieverband BIO Deutschland.  

Bioproben und Daten standortübergreifend schneller nutzbar machen 

Biobanken sind ein zentraler Bestandteil medizinischer Forschung und Versorgung. Sie bilden die Grundlage für Präzisionsmedizin, molekulare Diagnostik und moderne datenbasierte Forschung. Ziel des Projekts ist es, die im GBN zusammengeschlossenen universitären Biobanken so zu vernetzen und weiter zu harmonisieren, dass Bioproben und Daten standortübergreifend schneller und einfacher für die Forschung nutzbar werden. Hierfür werden die dezentral organisierten Biobanken an 38 Standorten organisatorisch in einer Biobank-Plattform zusammengeführt. Für diese wird im NUM eine zentrale Servicestelle aufgebaut, die den Zugang zu Proben und Daten aus den beteiligten Biobanken koordiniert und erleichtert. Forschende aus akademischer Wissenschaft und Industrie müssen dann nicht mehr einzelne Biobank-Standorte separat anfragen und mit diesen Einzelverträge schließen. Sie erhalten damit bessere Voraussetzungen, um Krankheiten zu erforschen, Diagnostik und Therapien weiterzuentwickeln und so langfristig die Versorgung von Patient:innen zu verbessern. 

Die Plattform leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Ziele der Bundesregierung in den Bereichen Prävention, personalisierte Medizin und Biotechnologie. Entsprechend betonte Staatssekretär Dr. Rolf-Dieter Jungk: „Die Biobank-Plattform vereint technologische Leistungsfähigkeit mit Transparenz, Verantwortung und Vertrauen. Sie schafft moderne und verlässliche Rahmenbedingungen für exzellente biomedizinische Forschung. Mit der Etablierung der Biobank-Plattform erreichen wir nicht nur einen bedeutenden Meilenstein, sondern auch ein Ziel der Hightech Agenda und damit auch einen zentralen Auftrag des Koalitionsvertrag.“ 

Ermöglicht wurde das Vorhaben durch die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, die erforderlichen Mittel für den Aufbau bereitzustellen. Eine weitere wesentliche Voraussetzung war die Verstetigung des NUM, welches damit den langfristigen Rahmen für Aufbau und Betrieb der Biobank-Plattform bietet. Die Perspektive des Parlaments brachten die MdB Svenja Schulze und Holger Mann ein, die sich wie folgt zum Vorhaben äußerten: „Ich bin davon überzeugt, dass Biobanken ein wirklicher Schatz für die Medizin sind,“ sagte Svenja Schulze. „Solche Ansätze der Kooperation brauchen wir unbedingt. Wir sind in einem globalen Wettbewerb – wenn wir unsere Kompetenzen bündeln können, umso besser ist es.“ Holger Mann betonte: „Heute startet ein echter Booster für die Medizinforschung in Deutschland. Mit dem Kick-off dieser Biobank-Plattform starten wir eben nicht nur eine technische Infrastruktur, sondern wir schaffen das Fundament für eine modernere datengestützte Medizin.“ 

Aus Sicht der Universitätsmedizin ordnete Prof. Dr. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Initiative ein: „In Deutschland verfügen wir über eine große Zahl sehr gut etablierter akademischer Biobanken an den Standorten der Universitätsmedizin. Sie arbeiten nach hohen Qualitätsstandards und stellen wichtige Ressourcen für Forschung und Translation bereit. Das German Biobank Network hat hier in den vergangenen Jahren bereits wesentliche Standards harmonisiert. Das sind optimale Voraussetzungen, um jetzt den nächsten Schritt zu gehen und das bestehende Netzwerk zu einer Biobank-Plattform im Netzwerk Universitätsmedizin weiterzuentwickeln – also von einer Struktur der Vernetzung hin zu einer gemeinsamen, nutzbaren Infrastruktur für alle Partner.“ 

Viele der beteiligten Biobanken aus ganz Deutschland schalteten sich live zur Kick-off-Veranstaltung zu und begrüßten gemeinsam den Start der Biobank-Plattform, an deren erfolgreicher Umsetzung sie künftig gemeinsam arbeiten werden. 

PD Dr. Sara Nußbeck, Vorstandssprecherin des GBN, stellte das Vorhaben den Anwesenden in ihrem Vortrag vor und erklärte: „Die Vorteile liegen darin, dass wir gezielt und zügig Sammlungen neuer Bioproben und Daten auf den Weg bringen können, dass wir die klinischen Daten und die OMICS-Daten, die wir aus den Bioproben ableiten, gut integrieren können und diese Ressourcen transparent, rechtssicher und qualitätsgeprüft  zur Verfügung stellen können. Wir werden sehr eng mit der Industrie zusammenarbeiten, um diese Plattform gemeinsam wirklich zukunftsfähig aufzubauen, damit alle Seiten – und letzlich alle Patientinnen und Patienten – davon profitieren.“ 

Dr. Stefanie Houwaart, Patient:innenvertretende im BRCA-Netzwerk e. V., machte sich in der anschließenden Podiumsdiskussion für eine internationale Perspektive stark: „Wir brauchen einerseits die Verlinkung mit den klinischen Daten und andererseits große Kohorten, die wir nur international zusammenbekommen.  Dafür ist bei aller Wettbewerbsfähigkeit auch ganz viel Solidarität notwendig. Denn die Community der Patientinnen und Patienten macht an Grenzen nicht halt.“ 

Weitere Informationen

Das Konzept für die „Biobank-Plattform für Deutschland“, weitere Informationen zum Projekt sowie Fotos von der Kick-off-Veranstaltung am 22. Juni und der Zentralen Biobank Charité/BIH finden sich auf der Event-Website.