Über das Projekt

Obduktionen sind unverzichtbar für die medizinische Qualitätssicherung und haben seit der COVID-19-Pandemie auch in der Forschung erneut an Relevanz gewonnen – besonders für das Verständnis von Krankheitsmechanismen. Das Nationale Obduktionsnetzwerk (NATON) vereint erstmals die drei Fachdisziplinen Pathologie, Neuropathologie und Rechtsmedizin und bietet eine zentrale Plattform für obduktionsbasierte Forschung und Kooperation. 

Mit eLEVATE erfolgt der Ausbau der NATON-Datenplattform vom ursprünglichen Deutschen Register für COVID-19-Obduktionen (DeRegCOVID) zum Nationalen Obduktionsregister (NAREG). 

Damit wird die bundesweit vernetzte obduktionsbasierte Forschung über COVID-19 hinaus auf die fünf Forschungsschwerpunkte Infektionskrankheiten, Arzneimittelnebenwirkungen, Tumorerkrankungen, Plötzlicher Herztod und Intensivmedizinische Sterbefälle ausgeweitet. Hierdurch sollen Erkenntnisse generiert werden, die direkte Auswirkungen auf das Verständnis komplexer Krankheitsverläufe und Sterblichkeitsursachen sowie auf die klinische Versorgung haben können.

Das Wichtigste im Überblick

eLEVATE ist das erste Forschungsprojekt, das auf der Infrastruktur des Nationalen Obduktionsnetzwerks (NATON) aufbaut. Es erweitert das Spektrum der in NAREG (Nationales Obduktionsregister, Datenplattform in NATON) erfassten Daten auf fünf weitere Forschungsschwerpunkte und ermöglicht damit die systematische Erforschung nahezu aller im Rahmen von Obduktionen beobachteten Erkrankungen.  

Für jeden Schwerpunkt wird ein spezifisches Modul entworfen und in NAREG implementiert, um neben den Kerndaten Anwendungsfall-spezifische Informationen zu den jeweiligen Obduktionsfällen abzufragen und im Register zusammenzutragen. Die für die einzelnen Anwendungsfälle relevanten Sterbefälle werden von den teilnehmenden Obduktionszentren identifiziert und bei Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen durch Eintrag des Obduktionsdatensatzes im Register erfasst. Die NAREG-Grundprinzipien enthalten, dass die dazugehörigen Bioproben in Besitz der jeweiligen Zentren bleiben. Langfristig wird eine zentrumsübergreifende Harmonisierung von Obduktionsstandards sowie die Entwicklung und Ausarbeitung von SOPs / Leitlinien angestrebt. 

eLEVATE begegnet somit Herausforderungen der obduktionsbasierten Forschung wie der fehlenden Standardisierung und den Anforderungen komplexer Studien: Durch die bundesweite, multizentrische Erhebung von Daten und Bioproben lassen sich die Einschränkungen von Einzelzentren – etwa geringe Fallzahlen oder eingeschränkte methodische Bandbreite – überwinden. Forschende erhalten Zugang zu standardisierten, qualitativ hochwertigen Obduktionsdaten, die Studien zu Krankheitsmechanismen erheblich erleichtern. Gleichzeitig profitieren lokale Kliniken durch die Rückkopplung der Befunde – etwa im Rahmen interdisziplinärer Fallkonferenzen –, was zur Qualitätssicherung sowie zur Verbesserung der Aus- und Weiterbildung beiträgt. 

Die Umsetzung von eLEVATE erfordert standortübergreifende Abstimmung und Harmonisierung von Prozessen innerhalb eines Netzwerks. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, die fünf unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte mit ihren spezifischen Anforderungen in einer gemeinsamen Registerstruktur abzubilden und gleichzeitig eine einheitliche Datenerfassung sicherzustellen. Hierfür müssen geeignete Daten und Einschlusskriterien definiert sowie bestehende Dokumentationsprozesse an den beteiligten Standorten berücksichtigt und gemeinsame Standards entwickelt werden.  

Zudem ergeben sich Herausforderungen aus der Integration der neuen Module in NAREG sowie aus der Identifikation und Erfassung geeigneter Obduktionsfälle an den einzelnen Standorten. Unterschiedliche lokale Voraussetzungen, Ressourcen und Abläufe müssen dabei berücksichtigt werden. Eine enge und kontinuierliche Abstimmung zwischen den beteiligten Standorten, Personen und Fachdisziplinen ist notwendig, um den Herausforderungen entgegenzuwirken.

eLEVATE baut auf der Infrastruktur von NATON und NAREG auf. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und kontinuierlich:

  • Entwicklung und Implementierung fünf neuer Module im Obduktionsregister zur Erfassung Anwendungsfall-spezifischer Informationen der jeweiligen Obduktionsfälle
  • Einreichung der notwendigen Ethikvotum-Amendments (Änderungsanträge)
  • Aufsetzen von Zentrumsverträgen, Einholung der Genehmigungen der jeweiligen Datenschutzbeauftragten, Erteilung von Zugängen zu NAREG für alle beteiligten Zentren
  • Eintragung relevanter Sterbefälle in den jeweiligen Modulen durch die angeschlossenen Obduktionszentren (dazugehörige Bioproben bleiben in Besitz der jeweiligen Zentren)
  • Auszahlung von Datenmeldepauschalen für jeden qualifizierten und vollständigen Eintrag
  • Harmonisierung von Obduktionsstandards und Entwicklung bundesweiter SOPs / Leitlinien
  • Durchführung erster Pilot- und Validierungsstudien

Gesteuert werden die Prozesse durch ein übergreifendes Projektmanagement und administrative Unterstützung inklusive Berichtswesen, Qualitätskontrolle, Fallprüfung, Dokumentation und Koordination.

Das NAREG inklusive eLEVATE-Erweiterung wurde am 1. März 2026 live geschaltet. 

Damit wurden die ersten Schritte der Projektumsetzung (Entwicklung und Implementierung der Aufbaumodule, Einreichung der Ethikvotum-Amendments, Aufsetzen von Zentrumsverträgen, Einholung der Datenschutz-Genehmigungen und Erteilung von Zugängen) erfolgreich abgeschlossen und der Übergang in die nächste Phase gestartet.

Seit März können somit kontinuierlich relevante Sterbefälle in den jeweiligen Modulen durch die angeschlossenen Obduktionszentren eingetragen werden.