NUM-SAR & KiRa Dashboard: Aus der Pandemie lernen – Kindergesundheit gezielt stärken

Abbildung 1: Beispiel aus der Pädiatrie – Stationäre RSV-Versorgung im Zeitverlauf

Abbildung 2: Beispiel aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie - Überblick der Versorgungssituation insgesamt, differenziert nach normaler und intensiv psychiatrischer Betreuung

Die COVID-19-Pandemie hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig leistungsfähige Datenstrukturen und schnelle Reaktionsfähigkeit sind – und zugleich offengelegt, dass die spezifischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen stärker berücksichtigt werden müssen. Genau hier setzt die NUM-Plattform für Surveillance und Rapid Response (NUM-SAR) an: Sie verknüpft eine umfassende Erregerdiagnostik und -überwachung mit Daten zur tatsächlichen Gesundheitssystembelastung und zur Dynamik von Pandemien – von Erregervarianten über Immunisierung bis hin zu Veränderungen in der psychiatrischen Inanspruchnahme und Auswirkungen auf die Versorgung. Das NUM Dashboard als föderierte Analyseinfrastuktur stellt eines von insgesamt fünf Arbeitspaketen in NUM-SAR dar. Es stellt unter Berücksichtigung höchster Datenschutzanforderungen einem „Privacy-by-Design“-Konzept folgend aggregierte Gesundheits- und Versorgungsdaten deutschlandweit nahezu in Echtzeit zur Verfügung und dient als Informations- und Steuerungstool sowohl klinischem Fachpersonal, politischen Entscheider:innen als auch der breiten Öffentlichkeit.

Jüngst in 2026 neu hinzugekommen ist die Rubrik „KinderRadar“ (KiRa) im NUM Dashboard, welche die pädiatrischen sowie kinder- und jugendpsychiatrischen Perspektiven sichtbar macht.

Die pädiatrische Komponente ermöglicht sowohl eine standortübergreifende Analyse von Krankheitsverläufen, Infektionsdynamiken – etwa beim Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) – sowie Immunisierungseffekten. Damit schafft es eine evidenzbasierte Grundlage für Entscheidungen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet sind.

Pandemieprävention beginnt dabei nicht erst im Krisenfall: Bereits in der nicht-pandemischen Phase werden Strukturen für Diagnostik, Surveillance und Datennutzung aufgebaut und erprobt, um im Ernstfall schnell handlungsfähig zu sein. In der Frühphase einer Pandemie kommt es darauf an, zügig diagnostische Verfahren zu etablieren, erste klinische Daten systematisch zu erfassen und Krankheitsverläufe sowie deren Auswirkungen auf die Versorgungskapazitäten – insbesondere im pädiatrischen Bereich – eng zu beobachten.

Ein weiterer Fokus des KiRa Dashboards liegt auf der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung (KJP), für die bislang nur begrenzt übergreifend aufbereitete Versorgungsdaten zur Verfügung stehen. Die KJP-spezifischen Auswertungen bilden zentrale Aspekte stationärer Behandlung ab, wie Diagnosen, Behandlungsepisoden, Aufenthaltsdauer, intensive Betreuung und Wiederaufnahmen, und ermöglichen dadurch eine differenzierte Betrachtung von Versorgungsverläufen und deren Entwicklung über die Zeit. Durch die einheitliche Aufbereitung der Daten wird eine standortübergreifende Betrachtung ermöglicht und eine Grundlage geschaffen, um Veränderungen und Besonderheiten oder Trends in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung sichtbar zu machen. Damit bietet das NUM Dashboard nicht nur einen Einblick in die aktuelle Versorgungssituation, sondern schafft zugleich eine relevante Datengrundlage für die Versorgungsanalyse und die Ableitung weiterführender wissenschaftlicher Fragestellungen.

So eröffnet NUM-SAR neue Möglichkeiten für multizentrische Betrachtungen auf Basis aggregierter Daten aus den angebundenen Datenintegrationszentren (DIZ) der an das NUM Dashboard angeschlossenen Kliniken. Diese liefern wertvolle Erkenntnisse, etwa zur Risikoprädiktion schwerer und komplizierter Krankheitsverläufe – sowohl auf Bevölkerungsebene zur frühzeitigen Erkennung pandemischer Entwicklungen als auch mit direkter Relevanz für das einzelne Kind im klinischen Alltag. Gleichzeitig ermöglichen retrospektive Analysen vergangener Pandemien und Krankheitsverläufe, aus bestehenden Daten zu lernen und zukünftige Versorgungsanforderungen besser zu bewältigen.

Das KiRa Dashboard geht somit über das reine systemische Erfassen von Krankheitsentwicklungen hinaus: Es bietet perspektivisch die Möglichkeit, weitere dynamische Versorgungselemente und pädiatrische wie kinder- und jugendpsychiatrische Krankheitsbilder abzubilden und so ein noch umfassenderes Verständnis der Kindergesundheit zu schaffen.

Das KiRa Dashboard stellt hinsichtlich der angestrebten „Pandemic & Crisis Preparedness“ einen essentiellen Beitrag zu NUM-SAR dar, weil Kinder und Jugendliche explizit im Pandemie- und Krisenfall mitgedacht werden.

NUM-SAR insgesamt trägt mit der KiRa-Integration entscheidend dazu bei, die Pandemie- und Krisenprävention zu stärken, bestehende Strukturen sinnvoll zu ergänzen und eine datenbasierte, vorausschauende und kindgerechte Versorgung nachhaltig zu verbessern.