Berlin, 15. Oktober 2026. Rund 300 Gäste aus Politik, Wissenschaft, klinischer Forschung, medizinischer Versorgung, Industrie und Patientenorganisationen kamen bei der Veranstaltung „STUDIEN WIRKEN 2026: Vielfalt. Zugang. Machbarkeit.“ im Auditorium Friedrichstraße zusammen. Im Zentrum stand die Frage, wie klinische Studien bekannter werden und mehr Menschen Zugang zu ihnen finden können. Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) ist wissenschaftlicher Partner der Initiative STUDIEN WIRKEN.
Ohne Menschen, die an klinischen Studien teilnehmen, bliebe medizinischer Fortschritt stehen. Nur so lässt sich prüfen, ob neue Medikamente und Therapien tatsächlich helfen, und nur so kommen sie bei Betroffenen an. Genau hier setzt die Initiative an.
Zugang zu neuen Therapien
Den Auftakt der Veranstaltung machten zwei persönliche Geschichten. Marlene Assmann-Khoueiry erklärte: „Dass ich heute meine Geschichte erzählen kann, verdanke ich einer klinischen Studie.“ Nach eigenen Worten wäre sie ohne diese Studie wahrscheinlich im Frühling 2019 gestorben. Georgina Hoffmann, bei der ein Lynch-Syndrom diagnostiziert wurde (eine erblich bedingte Veranlagung für bestimmte Krebserkrankungen), engagiert sich heute als Patientenvertreterin. Sie sagte: „Ich habe erlebt, wie eine Studie ein Leben verändern kann.“
Gendergerechtigkeit in der Forschung
Wie ungleich die Chancen auf eine Studienteilnahme verteilt sind, machte die Diskussion zur Gendergerechtigkeit deutlich. Prof. Dr. Alena Buyx, Professorin für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Universität München, bezifferte den Männeranteil in der forschenden Medizin auf 75 bis 90 Prozent. Esther Schweins sprach davon, dass Frauengesundheit eine „seltene Gesundheit“ sei. Die Schauspielerin und Regisseurin moderiert gemeinsam mit dem Mediziner Martin Mücke den Podcast „Unglaublich krank – Patienten ohne Diagnose“, in dem es um seltene Erkrankungen geht.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär betonte: „Wir brauchen mehr Frauen in klinischen Studien. Erst wenn wir hier bei 50 Prozent sind, können wir sagen, Studien wirken.“ In ihrer Eröffnungsrede erklärte sie zudem, dass sich Ärztinnen und Ärzte noch immer auf Erkenntnisse stützen, die überwiegend an Männern gewonnen wurden. Dies könne dazu führen, dass bestimmte Erkrankungen bei Frauen zu spät erkannt werden.
Studienteilnehmende gewinnen: Empfehlungen als ärztliche Leistung?
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie mehr Menschen für eine Studienteilnahme gewonnen werden können. Thomas Roth brachte es auf den Punkt: „Kein Mensch sucht eine Studie, Patientinnen und Patienten suchen eine Lösung.“
Prof. Dr. Jörg Janne Vehreschild, Sprecher des NUM Studiennetzwerks und Mitglied des Advisory Board von STUDIEN WIRKEN, regte an, dass Studienempfehlungen künftig als ärztliche Leistung gelten sollten. Nina Lammers stellte klar: „Studien haben nichts mit Glauben zu tun. Studien sind wissenschaftliche Evidenz.“
Studienstandort Deutschland stärken
Eine Podiumsdiskussion befasste sich mit der Stärkung des Studienstandorts Deutschland. Lange Zeit belegte Deutschland bei der Zahl klinischer Studien weltweit Platz 2, inzwischen liegt es im Rückstand. Das Medizinforschungsgesetz der Bundesregierung soll Impulse für eine Verbesserung geben. Gefragt wurde, ob das ausreicht und welche zusätzlichen Schritte Deutschland im internationalen Wettbewerb um Studien voranbringen könnten.
Das Programm umfasste über 20 Einzelbeiträge, darunter Podien, Fachbeiträge und Workshops, außerdem einen Study Slam und einen Netzwerkabend.
Über STUDIEN WIRKEN
Die Initiative will klinische Forschung verständlicher machen und Vorbehalte abbauen. Verlegerin Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, sagte bei der Begrüßung: „Medizinischer Fortschritt beginnt mit Forschung – aber seine Wirkung erst, wenn er bei den Menschen ankommt.“ Henriette Schnabl, Leiterin von STUDIEN WIRKEN, fasste das Anliegen zusammen: „Klinische Studien retten Leben – aber zu wenige Menschen wissen das, und noch weniger trauen sich, selbst teilzunehmen.“
Weitere Informationen: zur Website von STUDIEN WIRKEN


