Organmodelle in der COVID-19-Forschung: Fehlende Standards erschweren den Vergleich von Studien

An der Publikation beteiligte Wissenschaftler:innen (v. l.): Prof. Andreas Hocke, Dr. Maren Hülsemann, Silke Kniffert, PD Dr. Ulf Tölch. © Andreas Hocke

Wie wurden menschliche Organmodelle in der COVID-19-Forschung eingesetzt und wie gut lassen sich die Ergebnisse verschiedener Studien miteinander vergleichen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine systematische Übersichtsarbeit, an der 35 Wissenschaftler:innen beteiligt waren und für die 558 COVID-19-Studien ausgewertet wurden. Die Publikation basiert auf einer Zusammenarbeit, die im NUM-geförderten Projekt „Organo-Strat – Organspezifische Stratifikation bei COVID-19” entstanden ist.

Humane Organmodelle sind im Labor hergestellte Modelle aus menschlichen Zellen oder Gewebe, die bestimmte Eigenschaften und Funktionen des jeweiligen Organs abbilden. Sie ermöglichen es, Krankheitsprozesse und die Wirkung von Therapien unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen. In der COVID-19-Forschung wurden sie unter anderem verwendet, um die Infektion, die Virusvermehrung und die Immunantwort zu untersuchen.

Die aktuelle Auswertung zeigt, dass die Modelle wichtige Erkenntnisse über SARS-CoV-2 ermöglicht haben. Die Ergebnisse der verschiedenen Studien lassen sich allerdings nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Die Autor:innen stellten fest, dass in vielen Studien detaillierte Angaben zu den verwendeten Modellen, den Versuchsbedingungen und den experimentellen Parametern fehlen. Auch die Bezeichnungen und Beschreibungen der Modelle sind teilweise uneinheitlich.

Diese Unterschiede erschweren eine systematische Zusammenführung der Ergebnisse aus verschiedenen Studien. Die Autor:innen empfehlen deshalb unter anderem eine standardisierte Nomenklatur und Qualitätskontrolle für menschliche Organmodelle sowie eine transparentere und einheitlichere Dokumentation von Experimenten und Daten. Auch die Förderung interdisziplinärer Forschungsnetzwerke gehört zu den sieben Empfehlungen der Arbeit.

Zusammenarbeit über die Projektlaufzeit hinaus

Das NUM-Projekt „Organo-Strat” lief von August 2020 bis Ende 2021 und hatte das Ziel, ein bundesweites Netzwerk von Universitätskliniken und Hochsicherheitslaboren mit Expert:innen für humane Organmodelle, virale Infektionen sowie Daten- und Qualitätsmanagement aufzubauen. Gemeinsam wurde begonnen, Standards und standardisierte Prozessketten für Organmodelle, Infektionen, Bioproben, Analysen und Datenmanagement zu entwickeln. Die aktuelle Publikation knüpft an diese Projektarbeit an und zeigt, wie die aufgebaute Zusammenarbeit auch über die initiale Finanzierung fortgeführt wurde.

Publikation: Hülsemann M. et al.: Low reporting quality limits the contribution of human organ models to COVID-19 research: a systematic review. EBioMedicine (2026). DOI: 10.1016/j.ebiom.2026.106392