ESVE - Evidenzsynthesen und vertrauenswürdige Empfehlungen

Ziel und Arbeitsplan

Das primäre Ziel der ESVE (Evidenzsynthesen und vertrauenswürdige Empfehlungen) ist der Aufbau einer Infrastruktur, die wissenschaftliche Evidenz in Krisensituationen schnell verfügbar macht. Es soll die bestmögliche verfügbare Evidenz zu priorisierten Forschungsfragen systematisch identifiziert, kritisch bewertet und zusammengefasst werden – auch unter den sehr kurzen Zeitrahmen, die in Pandemien oder anderen Krisen nationaler Tragweite bestehen. Hierfür erstellt ESVE unter anderem Evidenzsynthesen, mit denen Forschungsergebnisse innerhalb kürzester Zeit gebündelt und für Entscheidungsträger aufbereitet werden können. Die daraus abgeleiteten Evidenzgrundlagen unterstützen Politik, Gesundheitswesen und Forschung dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Folgende Ziele adressiert ESVE:

  • Etablierung einer Koordinationsstruktur innerhalb ESVE
  • Etablierung einer Netzwerkstruktur methodischer und fachlich-klinischer Expertise
  • Etablierung eines Skalierungskonzeptes
  • Etablierung von nationalen und internationalen Schnittstellen inkl. Drittmittelkonzept
  • Testung und Implementierung von KI-Ansätzen
  • Validierung und Nutzung der geschaffenen Strukturen

 

ESVE-Netzwerk

Kern des Moduls ist ein deutschlandweites Netzwerk aus methodischen Zentren und klinisch-inhaltlichen Expertise-Hubs, die eine schnelle Skalierung von Personal und Expertise für zügige Evidenzsynthesen in Krisensituationen ermöglicht. Mit dieser Expertise ist es möglich, global Forschungsergebnisse schnell zu identifizieren, kritisch zu bewerten und zielgerichtet aufzubereiten – insbesondere auch unter den zeitlichen Herausforderungen von Pandemien oder vergleichbaren Krisensituationen. Das Netzwerk pflegt enge Schnittstellen zu nationalen Partnerorganisationen, wie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und internationalen Partnern, wie CochraneGRADE und der WHO. Dadurch ist eine direkte Anbindung an Leitlinienentwicklungen in der Medizin und gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse gewährleistet.

Das Netzwerk fungiert als skalierbare und zentrale Plattform für Evidenzsynthesen unterschiedlichster Art und Komplexität. Dazu zählen beispielsweise Scoping Reviews, Interventionsreviews, Prognosereviews sowie Netzwerk-Metaanalysen (NMA). Darüber hinaus bietet das Netzwerk Beratung in der evidenzbasierten Studienplanung, methodische Weiterentwicklung sowie Schulungsangebote an. Ergänzt wird dies durch Bereitstellung von Templates, Handlungsleitfäden, sogenannten SOPs, und der Erstellung von Evidenzsynthesen als Grundlage für klinische Studien.

Koordination der ESVE

Die Koordination der ESVE Plattform wird laufend das Organisationsmodell weiterentwickeln, die Mitglieder der Netzwerkstruktur verwalten, zwischen den einzelnen Standorten koordinieren sowie die Gesamtübersicht über alle entwickelten Materialien und zu aktualisierenden Materialien (Capacity Building, SOPs) behalten. Der Koordination obliegt es außerdem, die Netzwerkpartner zu aktivieren, im Fall von Expertiselücken neue Partner zu rekrutieren sowie die Arbeitsweisen zwischen Standorten mit inhaltlicher oder methodenspezifischer Expertise zu koordinieren. Eine weitere Hauptaufgabe der Koordination ist die Entwicklung von Prozessen zur schnellen Aktivierung und Skalierung der standortübergreifenden Evidenzsynthese und die Kommunikation und Zusammenarbeit mit NUM-internen Partnern wie der Koordinierungsstelle, den NUM-Infrastrukturen, FOSAs sowie externen Partnern wie der AWMF, Cochrane, GRADE und der WHO. Zudem werden standortübergreifende Interaktionen, wie jährliche Meetings und Workshops organisiert, um einen kontinuierlichen Austausch und gegenseitige Berichterstattung sicherzustellen. Die Etablierung der Netzwerkstruktur erfolgt dabei parallel.

Etablierte ESVE Netzwerkstruktur

Da Evidenzsynthesen mit einer Standard-Bearbeitungszeit von mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr einhergehen, muss für eine Bearbeitung innerhalb kürzester Zeit ausreichend Personal zur Verfügung stehen. Das geschieht über ein personelles Skalierungskonzept. Das tragende Element der ESVE ist ein deutschlandweites, interdisziplinäres Netzwerk von methodischen und fachlich klinischen Experten (sog. methodische Exzellenzzentren und fachlich klinische Exzellenz-Hubs), aus dem parallel mehrere Arbeitsgruppen zur Durchführung von Evidenzsynthesen und für die Beteiligung an medizinischen Leitlinien der AWMF hervorgehen. Zusätzlich wird ein Mapping von Expertise zu bestimmten Themen an verschiedenen Standorten stattfinden, um potentielle Lücken zu identifizieren und weitere klinisch fachliche Partner zu identifizieren.

Die grobe Struktur des Netzwerks wird in der Abbildung gezeigt. Dieses Netzwerk wird als lebende Karte vorgehalten und jeweils bei neu hinzukommenden Standorten, die definierte Aufnahmekriterien erfüllen, oder Änderungen der verantwortlichen Person je Standort aktualisiert. Die Auswahl der inhaltlichen Hubs ist dabei als beispielhaft zu verstehen und kann sowohl Fachgesellschaften der AWMF, FOSAs des NUM oder weitere Kooperationspartner und Netzwerke beinhalten.

Eine Besonderheit der ESVE besteht in der Erfahrung in der Nutzung von mathematischen Modellierungsstudien in Evidenzsynthesen, welche eine zentrale Evidenzquelle für infektionsepidemiologische Fragestellungen darstellen. Modellierungen können Evidenz liefern, wenn eine Forschungsfrage aufgrund ihrer Komplexität oder Beobachtungslänge nicht durch Primärstudien abbildbar ist und relevante Einzeldaten für bestimmte Populationen, langfristige Nachbeobachtungen oder relevante Ergebnisse vorliegen. Die Bewertung von Modellierungsstudien muss im Rahmen von ESVE erfolgen, da bisher kein etablierter Standard besteht. Darüber hinaus stellt die bereits etablierte Kooperation zwischen ESVE und MONID (Modellierungsnetz für schwere Infektionskrankheiten) sicher, dass Modellierungsexpertise in ganz Deutschland konsultiert werden kann.

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