Ergebnisse aus RACOON FADEN – Früherkennung einer übersehenen Erkrankung

Abbildung 1: T2w HASTE sagittal links initial im Vergleich zu den im Abstand von 10 min (mitte) und 17 min (rechts) aufgenommenen Wiederholungen der MRT-Sequenz. Erkennbar ist eine deutliche Variabilität der Morphologie und Dicke der Junktionalzone (JZ), sowie im rechten Bild eine Verdickung der Vorderwand. © Radiologisches Institut, Universitätsklinikum Erlangen

Starke Regelschmerzen gelten oft als „normal“ – dabei können sie ein Hinweis auf eine Adenomyose sein, eine Form der Endometriose. Viele Betroffene warten im Durchschnitt 8–10 Jahre auf eine Diagnose. Genau hier setzte das NUM-Forschungsprojekt RACOON FADEN (Früherkennung der Adenomyose) an: Ziel war es, frühe krankhafte Veränderungen der Gebärmutter im MRT sichtbar zu machen und damit den Diagnoseweg für junge Patientinnen entscheidend zu verkürzen. 

In einer standortübergreifenden Studie unter der Führung des Universitätsklinikums Erlangen und der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurden über 200 junge Frauen mit zyklusabhängigen Unterbauchschmerzen sowie gesunde Probandinnen mittels multiparametrischer MRT untersucht – jeweils im Zeitraum der Menstruation und des Eisprungs. Die prospektive Vergleichsstudie wurde unter Nutzung der NUM-Plattform für Bildgebungsdaten RACOON (Radiological Cooperative Network) und NUKLEUS (NUM Klinische Epidemiologie- und Studienplattform) durchgeführt.

Als stabiler struktureller Marker für Adenomyose wurde bisher eine Gewebeschicht zwischen der Schleimhaut und der Muskulatur der Gebärmutter, die sogenannte Junktionalzone, verwendet. Mithilfe der KI-gestützten Plattform CuraMate wurde im Projekt ein automatisierter Deep-Learning-Workflow zur präzisen Segmentierung der Gebärmutter entwickelt. 

Anhand dieser manuellen und automatisierten Auswertungen liefert die Studie bereits neue Erkenntnisse zur junktionalen Zone als Biomarker. Überraschend zeigte sich, dass sich die Junktionalzone nicht nur zwischen den Untersuchungszeitpunkten, sondern auch während einer Untersuchung dynamisch verändert und somit vermutlich Muskelkontraktionen widerspiegelt. Es zeigte sich außerdem kein signifikanter Unterschied der Junktionalzonendicke zwischen symptomatischen und asymptomatischen Frauen zum selben Zykluszeitpunkt. Die Qualität der Junktionalzone als statisches Diagnosekriterium ist somit in Frage zu stellen. Die genannte Erkenntnis weist darauf hin, dass künftig der gesamte Uterus, insbesondere seine Peristaltik (Kontraktion) noch stärker in den Fokus der Forschung rücken muss. Wichtig dafür ist, den Untersuchungszeitpunkt mit dem weiblichen Zyklus abzustimmen. 

Mit RACOON FADEN wurden erstmals verlässliche Referenzdaten zum gesunden im Vergleich zum symptomatischen Uterus geschaffen. Umso wichtiger ist nun die gezielte Nachnutzung dieses Datensatzes für die weitere Erforschung der Adenomyose.