Über das Projekt
RACOON-COMPARE ist eine standortübergreifende Studie, die bereits vorhandene CT-Bilder von Krebspatient:innen auswertet. Ziel ist es, die Körperzusammensetzung (zum Beispiel Muskel- und Fettanteile) besser zu verstehen. Die Forschenden möchten typische Vergleichswerte bestimmen und herausfinden, ob und wie diese Werte mit den Überlebenschancen der Patient:innen zusammenhängen.
Das Wichtigste im Überblick
RACOON-COMPARE untersucht, ob zusätzliche Informationen aus der Analyse der Körperzusammensetzung (BCA) einen Mehrwert für die Einschätzung der Prognose bei Krebserkrankungen bieten. Dafür werden routinemäßig erhobene CT-Aufnahmen genutzt, ohne dass dafür zusätzliche Untersuchungen nötig sind („opportunistisches Screening“). Im Mittelpunkt stehen häufige Tumorarten aus dem Bauchraum, zum Beispiel Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Magen-, Speiseröhren- und Darmkrebs. Die Daten stammen von Patient:innen aus mehreren Unikliniken in Deutschland. Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob bestimmte Messwerte zur Körperzusammensetzung – die bereits bei der Erstdiagnostik erhoben werden – dabei helfen können, die Überlebenschancen von Patient:innen besser einzuschätzen.
Bisher haben kleinere Studien bereits gezeigt, dass bestimmte Werte zur Körperzusammensetzung Hinweise auf den Krankheitsverlauf geben können. Allerdings wurde das noch nicht in einer großen, gemeinsamen Studie mehrerer universitätsmedizinischer Standorte bestätigt, die für den Einsatz im Alltag wichtig wäre.Genau hier setzt RACOON-COMPARE an: In dieser Studie werden Daten von etwa 30.000 Krebspatient:innen aus ganz Deutschland ausgewertet. Damit ist sie die bisher größte Untersuchung dieser Art und soll klären, ob diese Messwerte zuverlässig im klinischen Alltag genutzt werden können.
Die größten Herausforderungen in der Projektumsetzung sind dabei das "Onboarding" und die Erfüllung aller ethischen und datenschutzrechtlichen Vorgaben bei allen 36 universitären Standorten, die Gewährleistung einer verbindlichen Datenqualität und die zentrale Auswertung dieser großen Datenmenge.
Die erfolgreiche Umsetzung von RACOON-COMPARE erfordert die strategische Einbindung externer Partner, deren Expertise und Ressourcen innerhalb des NUM nicht in der erforderlichen Tiefe verfügbar sind. Diese Kooperationen ergänzen die Kompetenzen der universitätsmedizinischen Standorte um kritische technische, methodische und gesellschaftliche Dimensionen.
Das Projekt nutzt innovative Technik, um Daten einfach und einheitlich zu erfassen und auszuwerten. Die Auswertung der Körperzusammensetzung erfolgt dabei automatisch mithilfe spezieller Software (vollautomatisierte BOA-Analyse). Pro teilnehmender Uniklinik werden Daten von rund 790 Patient:innen gesammelt. Dies geschieht nach klar festgelegten Kriterien, damit die Ergebnisse gut vergleichbar sind. Dafür wird ein standardisiertes System zur Datenerfassung genutzt (MINT-Template).
Ziel der Studie ist es, verlässliche Vergleichswerte für die Körperzusammensetzung zu ermitteln. Zum Beispiel für unterschiedliche Krebsarten, Altersgruppen und Behandlungen. Diese Werte sollen später dabei helfen, solche Analysen breit im klinischen Alltag einzusetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die enge Zusammenarbeit mit anderen Projekten innerhalb des Netzwerks Netzwerk Universitätsmedizin. Dazu gehören unter anderem RACOON-PAIN, RACOON-AI-Brain-Tumor und RACOON-INCLUDED. Durch die gemeinsame Nutzung von Daten, abgestimmte Auswertungsmethoden und die Entwicklung gemeinsamer Analysemodelle können Erkenntnisse gewonnen werden, die über einzelne Krankheitsbilder hinausgehen. Damit der Austausch reibungslos funktioniert, werden einheitliche technische Standards genutzt, zum Beispiel "HL7 FHIR". Auch etablierte Plattformen wie MINT kommen zum Einsatz. Regelmäßige Treffen und gemeinsame Studien sorgen dafür, dass alle Beteiligten eng zusammenarbeiten und ihr Wissen teilen.