Vier Frauen und eine europäische Vision: Der Weg zum „Quality Handbook for Biobanks“

V. l. n. r.: Joséphine Uldry, Mieke De Wilde, Nhu Tuyen Phan und Agnieszka Matera-Witkiewicz.

Anlässlich des Internationalen Frauentags berichten Nhu Tuyen Phan (Deutschland), Joséphine Uldry (Schweiz), Agnieszka Matera-Witkiewicz (Polen) und Mieke De Wilde (Belgien) – die vier Qualitätsmanagement-Verantwortlichen hinter dem Quality Handbook for Biobanks (QHB) – von ihrem gemeinsamen Weg. Aus einer Idee aus dem Jahr 2023 ist ein europäischer Referenzrahmen entstanden, der vollständig auf freiwilliger Zusammenarbeit basiert.

Wenn Sie an den Oktober 2023 zurückdenken: Warum haben Sie „Ja“ zu dieser Initiative gesagt?

Nhu Tuyen Phan: Die Planung begann tatsächlich schon früher. Wir alle hatten bereits nationale QM-Manuale, und ich habe hier Potenzial gesehen, diese Ansätze zu harmonisieren und unsere Expertisen zu bündeln. Der Gedanke, etwas von direktem praktischem Nutzen für die gesamte Biobanking-Community zu schaffen, war für mich unglaublich motivierend.

Joséphine Uldry: Für mich war es die Gelegenheit, von Kolleg:innen in Europa zu lernen, die im Qualitätsmanagement sehr weit fortgeschritten sind. Es war eine Chance, gemeinsam zu wachsen.

Mieke De Wilde: Ich hatte bereits bei der Entwicklung des belgischen Manuals mit den deutschen, schweizerischen und polnischen Handbüchern gearbeitet. Als Tuyen uns dann ansprach, war ich begeistert. Statt nur Dokumente zu vergleichen, konnten wir wirklich etwas Harmonisiertes aufbauen.

Agnieszka Matera-Witkiewicz: Zusammenarbeit steht im Zentrum wissenschaftlicher Entwicklung. Dieses Handbuch ist ein Werkzeug, um Qualität zu stärken und Forschung auf sehr praktische Weise zu verbessern. Teil von etwas zu sein, das über nationale Grenzen hinaus wirken kann, war für mich der stärkste Grund, „Ja“ zu sagen.

Sie haben das QHB komplett auf freiwilliger Basis neben Ihren regulären Aufgaben erstellt. Was bedeutete das konkret?

Agnieszka Matera-Witkiewicz: Es erforderte viel persönliches Engagement. Wir mussten unsere Zeitpläne umorganisieren und erheblich viel Zeit investieren. Aber gleichzeitig waren die Aufgaben sehr klar verteilt, was die Zusammenarbeit sehr effektiv machte.

Mieke De Wilde: Es war viel Arbeit und ich bin dankbar für die Unterstützung durch meine Vorgesetzte, die mir Zeit dafür eingeräumt hat. Gleichzeitig war es extrem bereichernd. Wir haben uns intensiv mit den Details des Standards und dessen Umsetzung beschäftigt. Ich habe viel aus diesem Prozess gelernt. Und ich denke, ich kann ruhig hervorheben, dass das Projekt von Tuyens sorgfältiger Koordination stark profitiert hat, die alles auf Kurs hielt.

Nhu Tuyen Phan: Es erforderte aber nicht nur Organisation, sondern auch Flexibilität. Wir haben regelmäßige und zusätzliche Treffen eingeplant, besonders gegen Ende. Rückblickend bin ich einfach sehr stolz – das QHB ist wirklich unser „Baby“. Es spiegelt zweieinhalb Jahre wider, in denen wir unsere Expertisen und unser Engagement zusammengebracht haben.

Sie kommen aus vier verschiedenen Ländern und regulatorischen Kontexten. Was waren die größten Herausforderungen – und Vorteile – der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit?

Agnieszka Matera-Witkiewicz: Regulatorische Unterschiede waren nicht die größte Herausforderung, da wir von Anfang an vereinbart hatten, dass das Handbuch international anwendbar sein sollte und nicht länderspezifisch. Persönlich habe ich mich als Leitung einer akkreditierten Biobank besonders dafür verantwortlich gefühlt sicherzustellen, dass das Handbuch in einer realen, akkreditierten Umgebung auch funktioniert.

Joséphine Uldry: Eine große Herausforderung bestand darin, jede Zeile durchzugehen und sich auf jedes Wort zu einigen. Das erforderte über einen langen Zeitraum Konsistenz. Am Ende bringt es jedoch viel mehr, eine gemeinsame Vision über Grenzen hinweg zu vefolgen, als isoliert national zu arbeiten.

Nhu Tuyen Phan: Die Harmonisierung der Terminologie zu Beginn war entscheidend. Wir mussten sicherstellen, dass wir wirklich dieselbe Sprache sprechen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ermöglichte es uns jedoch, Best Practices aus jedem Land zu kombinieren. Das Ergebnis ist dadurch viel überzeugender, als irgendeine von uns es hätte allein erreichen können.

Was hat Ihre Zusammenarbeit so erfolgreich gemacht?

Joséphine Uldry: Es war wie zwei Marathons zu durchlaufen – zuerst das Handbuch schreiben, dann die intensive Review-Phase. Ohne das Team hätte ich mich nicht getraut, so schnell voranzupreschen. Aber der Teamgeist war entscheidend.

Mieke De Wilde: Wir hatten wirklich viel Spaß bei der Arbeit. Es war anspruchsvoll, aber auch sehr bereichernd und lustig.

Zum Internationalen Frauentag eine persönliche Frage zum Abschluss: Was nehmen Sie aus der Mitarbeit an dieser europäischen Initiative mit?

Agnieszka Matera-Witkiewicz: Meiner Meinung nach besitzen Frauen wirklich eine Superkraft. Es gibt nichts Mächtigeres als eine Frau, die an sich selbst glaubt. Mit so starken, selbstbewussten Frauen an einer gemeinsamen Vision zu arbeiten, war eine außergewöhnliche Erfahrung.

Joséphine Uldry: Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, realistisch zu sein und Schritt für Schritt zu arbeiten. Gleichzeitig habe ich die unterschiedlichen Stärken und Soft Skills meiner Kolleginnen immer wieder bewundert.

Nhu Tuyen Phan: Unser Projekt hat gezeigt, was durch Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung erreicht werden kann. Der Internationale Frauentag ist eine wunderbare Gelegenheit, die Leistungen von Frauen zu feiern, und ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam geschaffen haben. Gleichzeitig möchte ich auch gern die vielen Kolleg:innen würdigen, die als Reviewer beigetragen haben – Männer wie Frauen. Es ist wirklich ein gemeinsamer europäischer Erfolg!

Mieke De Wilde: Wir sind „zufällig“ vier Frauen, und das fühlt sich völlig normal an. Aber dass es sich normal anfühlt, ist eigentlich das Besondere. Ich bin dankbar, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem das einfach so ist.

Phan, N. T., Uldry, J., Matera-Witkiewicz, A., & De Wilde, A. (2026). Quality Handbook for Biobanks (QHB). Zenodo.