Über das Projekt
Etwa 10 % der Bevölkerung haben die Diagnose einer Penicillin-Allergie – doch mehr als 90 % dieser Patient:innen vertragen Penicillin-Antibiotika. Die überwiegend nicht zutreffende Diagnose von Penicillin-Allergien führt dazu, dass weniger geeignete Antibiotika eingesetzt werden. Dies führt zu schlechteren Behandlungsergebnissen, längeren Krankenhausaufenthalten und fördert Antibiotikaresistenzen.
PENGUIN ist eine multizentrische Beobachtungsstudie an deutschen Universitätskliniken. Sie untersucht, wie eine vermeintliche Penicillin-Allergie sicher überprüft und widerlegt und gegebenenfalls aus der Krankenakte entfernt werden kann (das bezeichnet man als „Delabeling“). Ziel der Studie ist es, die Behandlung von Patient:innen zu verbessern, Antibiotikaresistenzen zu verringern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.
Das Wichtigste im Überblick
Im Rahmen von PENGUIN wird untersucht, ob durch ein Widerlegen der Diagnose „Penicillinallergie“ seltener sogenannte "Zweitlinienantibiotika" eingesetzt werden. Diese Medikamente werden häufig dann verwendet, wenn bei Patient:innen eine Penicillin-Allergie in der Krankenakte steht, sind häufig aber weniger wirksam oder haben mehr Nebenwirkungen. Oft stellt sich jedoch heraus, dass gar keine echte Allergie besteht. Durch eine sichere Überprüfung und gegebenenfalls Entfernung dieses Allergieeintrags („Delabeling“) können wieder häufiger Penicillin-Antibiotika verwendet werden. Das soll die Behandlung verbessern und unnötige oder unpassende Antibiotika vermeiden.
Darüber hinaus untersucht die Studie:
Sicherheit & Reichweite – Welcher Anteil der Patient:innen kann mithilfe eines modifizierten Algorithmus (ZSB-Score) sicher delabeled werden?
Therapieoptimierung – Führt Delabeling zu einem häufigeren Einsatz gezielter Schmalspektrum-Penicilline und einer insgesamt angemesseneren Antibiotikatherapie?
Nachhaltigkeit – Wie viele Patient:innen gelten nach 90 Tagen weiterhin als delabeled?
Lebensqualität – Führt Penicillinallergie-Delabeling bei den Studienteilnehmenden zu einer Verbesserung der Lebensqualität?
Ziel des sogenannten „Penicillinallergie-Delabeling“ ist es, falsche Allergiediagnosen sicher zu wiederlegen und so die Antibiotikabehandlung zu verbessern. Dabei ist besonders wichtig, dass Patient:innen gut geschützt und informiert werden und das Klinikpersonal entsprechend geschult ist. Außerdem müssen unterschiedliche Abläufe in den Kliniken berücksichtigt und die Änderungen zuverlässig dokumentiert werden. PENGUIN untersucht systematisch, wie diese Herausforderungen im Klinikalltag gut gelöst werden können.
PENGUIN ist eine multizentrische (standortübergreifende) einarmige Beobachtungsstudie, die deutschlandweit an 12 Standorten durchgeführt wird. Eine "einarmige Beobachtungsstudie" ist eine wissenschaftliche Untersuchung, bei der alle teilnehmenden Personen die gleiche Behandlung oder Untersuchung erhalten. Es gibt also keine Vergleichsgruppe mit einer anderen Behandlung oder ohne Behandlung. „Beobachtungsstudie“ bedeutet außerdem, dass die Forschenden vor allem beobachten und dokumentieren, was im normalen Behandlungsalltag passiert.
Bei der Studienentwicklung wurden die Perspektiven Betroffener und Patient:innenfürsprecher:innen aktiv berücksichtigt und in die Studienplanung einbezogen. Die teilnehmenden Zentren verfügen bereits über etablierte lokale Leitlinien zur Risikostratifizierung (Einschätzung und Einteilung von Risiken) bei Penicillin-Allergie. PENGUIN baut auf dieser bestehenden Expertise auf und schafft eine gemeinsame, vergleichbare Datenbasis.