Evidenzsynthese-Infrastruktur ESVE – ein Modul von NUM-SAR – stellt sich vor

Mit dem Start des Infrastrukturprojekts NUM-SAR („Surveillance and Rapid Response“) zum 1. Juli 2025 wurde ein zentraler Baustein etabliert zur Stärkung der Krisenreaktionsfähigkeit und Bewältigung zukünftiger Pandemien. Eines der Module von NUM-SAR ist ESVE (Evidenzsynthesen und vertrauenswürdige Empfehlungen), das unter der gemeinsamen Leitung von Nicole Skoetz und Joerg Meerpohl umgesetzt wird. Prof. Dr. Nicole Skoetz von der Uniklinik Köln stellt das Modul näher vor:

Was ist das Ziel von ESVE?

ESVE verfolgt das Ziel, eine nachhaltige Infrastruktur aufzubauen, die wissenschaftliche Evidenz in Krisensituationen schnell verfügbar macht und so evidenzbasierte Entscheidungen in Politik, Gesundheitswesen und Forschung unterstützt. Dafür werden methodische und fachliche Expertise vernetzt, skalierbare Kapazitäten geschaffen, nationale und internationale Kooperationen aufgebaut sowie innovative KI-Ansätze getestet und implementiert. Die entwickelte Struktur wird dabei anhand konkreter Anwendungsbeispiele validiert und langfristig nutzbar gemacht. Zum Beispiel möchten wir ein Systematic Review zu Dengue-Fieber umsetzen.

Wie wird dieses Ziel konkret umgesetzt?

Kern der ESVE-Infrastruktur bildet dabei ein Netzwerk aus elf Partnerinstitutionen in Deutschland, die methodische, klinische und fachliche Expertise im Bereich der Medizin und Öffentlichen Gesundheit bündeln. Mit dieser Expertise ist es dann möglich, global Forschungsergebnisse schnell zu identifizieren, kritisch zu bewerten und zielgerichtet aufzubereiten – insbesondere auch unter den zeitlichen Herausforderungen von Pandemien oder vergleichbaren Krisensituationen.

Welche Aufgaben übernimmt dabei das Netzwerk konkret?

Das Netzwerk fungiert als skalierbare und zentrale Plattform für Evidenzsynthesen unterschiedlichster Art und Komplexität. Dazu zählen beispielsweise Scoping Reviews, Interventionsreviews, Prognosereviews sowie Netzwerk-Metaanalysen (NMA). Darüber hinaus bietet das Netzwerk Beratung, methodische Weiterentwicklung sowie Schulungsangebote an. Ergänzt wird dies durch Bereitstellung von Templates, Handlungsleitfäden, sogenannten SOPs, und die Erstellung von Evidenzsynthesen als Grundlage für klinische Studien.

Gibt es dabei auch weitere nationale und internationale Kooperationen?

Das Netzwerk pflegt enge Schnittstellen zu nationalen und internationalen Partnerorganisationen wie Cochrane, GRADE, der WHO sowie der AWMF. Dadurch ist eine direkte Anbindung an Leitlinienentwicklungen in der Medizin und gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse gewährleistet.

Wie können Forschende oder die politische Entscheidungsträger:innen ESVE nutzen?

Das Netzwerk kann auf unterschiedlichen Wegen aktiviert werden. Im Pandemie- oder Krisenfall erfolgt dies beispielsweise durch politische Beauftragungen zu prioritären Fragestellungen. Darüber hinaus kann ESVE im Rahmen von Beratungs- und Forschungsanträgen zur Erstellung von Evidenzsynthesen durch Forschende eingebunden werden. Auch eigenständig eingeworbene Forschungsprojekte tragen zur Nutzung und Weiterentwicklung der Infrastruktur bei.

Welche Bedeutung hat ESVE für NUM-SAR, also auch für die Herstellung der Pandemic Preparedness und für die Forschungslandschaft generell?

Mit ESVE entsteht im Rahmen von NUM-SAR eine leistungsfähige, skalierbare und zukunftsorientierte Infrastruktur für Evidenzsynthesen. Im Mittelpunkt steht ein stark vernetztes System aus methodischer und fachlicher Expertise. Dieses Netzwerk kann deshalb sowohl in Krisenzeiten als auch im regulären Forschungsbetrieb einen entscheidenden Beitrag zur evidenzbasierten Entscheidungsfindung leisten.