Qualitätssicherung

In Zusammenarbeit mit der BioMaterialBank Heidelberg (BMBH), der Integrierten Biobank Jena (IBBJ) und der BioBank Dresden (BBD) führt GBN regelmäßig Ringversuche mit Partner-Biobanken durch. Dabei werden sowohl Gewebe als auch flüssige Bioproben analysiert. Mit Ringversuchen überprüfen die Biobanken die Probenqualität und damit ihre Prozessabläufe – vom Probeneingang über die Lagerung bis hin zur Derivaterstellung und –messung.

Ringversuche

mit verschiedenen Probenarten

Schritt 1: Vorbereitung und Versand

Die Organisator:innen versenden Bioproben an alle teilnehmenden
Biobanken des German Biobank Network (GBN).

Schritt 2: Verarbeitung

Die Biobanken verarbeiten die Proben anhand ihrer Verfahrensanweisungen und entsprechend den Vorgaben im Ringversuch.

Schritt 3: Verpackung und Rückversand

Anschließend schicken sie die Proben – wie vorgegeben – wieder zurück.

Schritt 4: Auswertung

Die Organisator:innen überprüfen die Proben und werten die dazugehörigen Daten aus.

Schritt 5: Feedback

Sie besprechen die Ergebnisse individuell mit den Biobanken und schlagen ihnen Verbesserungen vor.

Die Ergebnisse der Ringversuche erlauben einen netzwerkübergreifenden Lernprozess: Die Methodenkompetenz auf lokaler Ebene wird gestärkt und gleichzeitig eine Optimierung der Prozesse erreicht. 

Gewebe-Ringversuche

Um den Einfluss präanalytischer Prozesse auf die Qualität humaner Gewebeproben zu minimieren oder idealerweise zu eliminieren, etablierte GBN 2017 in enger Zusammenarbeit mit dem Standort Heidelberg Gewebe-Ringversuche für GBN-Biobanken. Die Teilnahme ist modular aufgebaut, sodass Biobanken gezielt jene Module auswählen können, die für ihre individuellen Abläufe und Qualitätsziele relevant sind. Die Module inkl. bewerteter Prozesse/ Parameter im Überblick:

  • Kryogewebe: Zuschnitt, Kryokonservierung, Schnitterstellung, H&E-Färbung, RNA-Extraktion, Qualitätskontrolle
  • FFPE-Gewebe: Zuschnitt, Schnitterstellung, H&E-Färbung, Eignung des Materials für IHC, Immunfluoreszenz und Spatial Analysis
  • Pathologisch-anatomische Begutachtung: Beurteilung verschiedener Parameter, z. B. Tumorgehalt
  • Virtuelle Mikroskopie: Scanschärfe

Nach Abschluss der Teilnahme und Auswertung aller Ergebnisse erhalten die Biobanken einen umfassenden, detaillierten Bericht. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Resultate in einem persönlichen Feedback-Gespräch zu besprechen und konkrete Verbesserungsmaßnahmen zu erarbeiten.

Der Gewebe-Ringversuch unterstützt Biobanken nachhaltig bei der Qualitätssicherung, stärkt die Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen und trägt zur Harmonisierung der entsprechenden Prozesse. So konnte beispielsweise bereits die RNA-Ausbeute aus Kryogewebe über alle Standorte hinweg erhöht werden. Biobanken, die ihre Qualitätsstandards systematisch überprüfen und weiterentwickeln möchten, profitieren in hohem Maße von der Teilnahme.

Ringversuche für flüssige Bioproben

Der Ringversuch für flüssige Bioproben wurde von der Integrierten Biobank Jena in Zusammenarbeit mit dem German Biobank Network (GBN) entwickelt und hier als Teil des GBN-Qualitätsprogramms etabliert. Ziel ist es, die Qualität flüssiger Bioproben langfristig zu sichern und den Einfluss präanalytischer Prozessabweichungen zu reduzieren. Die Ringversuche bilden zentrale Schritte von der Probenannahme und -verarbeitung bis hin zu Lagerung, Dokumentation und Versand unter praxisnahen Bedingungen ab.

Die Teilnahme ist modular gestaltet. Biobanken können daher gezielt diejenigen Module überprüfen, die für ihre jeweiligen Prozesse und Qualitätsziele relevant sind.

Die derzeit angebotenen Module einschließlich der bewerteten Prozesse und Parameter im Überblick (Stand 2026):

  • Homogenität von Plasmaaliquots: Bewertung der Zentrifugation und Aliquotierung anhand des Thrombozytengehalts
  • Volumengenauigkeit: Überprüfung der Präzision und Richtigkeit manuell oder automatisiert aliquotierter Probenvolumina
  • Eingangskontrolle und Dokumentation: Erkennung und nachvollziehbare Erfassung präanalytischer Abweichungen bei der Probenannahme
  • Versand und Verpackung: Bewertung der Versanddokumentation und der Verpackung potenziell infektiöser Proben gemäß UN3373 sowie ADR/IATA P650/PI650
  • Temperaturüberwachung: Kontrolle der Temperaturbedingungen während des Transports auf Trockeneis
  • Kontaminationsanalyse: Nachweis möglicher chemischer Verunreinigungen in Plasmaaliquots mittels NMR-Spektroskopie  (in Zusammenarbeit mit dem Institut für klinische Chemie und Labormedizin in Dresden – Dr. Alexander Funk, Funk Labs)
  • Begleitende Fragebögen: Erfassung standortspezifischer Prozesse und Rahmenbedingungen zur fundierten Einordnung der Ergebnisse

Nach Abschluss des Ringversuchs erhalten die teilnehmenden Biobanken einen individuellen und detaillierten Ergebnisbericht sowie eine Teilnahmebescheinigung. Darüber hinaus werden (bei Bedarf) die Ergebnisse in einem persönlichen Feedbackgespräch besprochen, mögliche Ursachen für Abweichungen analysiert und konkrete Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet. Bei wiederholter Teilnahme können Entwicklungen über einen längeren Zeitraum verfolgt und Fortschritte in der Prozessqualität sichtbar gemacht werden.

Die Ringversuche unterstützen Biobanken bei der systematischen Überprüfung und Weiterentwicklung ihrer Qualitätsstandards. Sie tragen dazu bei, Prozesse standortübergreifend zu harmonisieren, die Vergleichbarkeit von Bioproben zu erhöhen und die Reproduzierbarkeit multizentrischer Forschungsergebnisse zu stärken.

Im Rahmen der Biobankplattform für Deutschland (BPD) werden die Ringversuche für flüssige Bioproben allen Standorten des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) angeboten. Damit ist das Ringversuchsprogramm ein wesentlicher Bestandteil der gemeinsamen Qualitätssicherungsstrukturen innerhalb der BPD.

Zusätzlich werden internationale Proficiency Tests vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik des Universitätsklinikums Jena in Zusammenarbeit mit dem GBN angeboten. Auf diese Weise wird das etablierte Qualitätssicherungskonzept auch Biobanken außerhalb der BPD sowie internationalen Biobanken zugänglich gemacht und damit die Interoperabilität im europäischen Kontext über die Standardisierung von Biobank-Prozessen gefördert.

PBMC-Ringversuch

Mononukleäre Zellen des peripheren Blutes (peripheral blood mononuclear cells, PBMCs) haben durch die Corona-Pandemie auch für Biobanken stark an Relevanz gewonnen. Um die Viabilität und Funktionalität von PBMCs zu beurteilen, organisierte GBN im Jahr 2020 einen Ringversuch für 12 Biobanken in Zusammenarbeit mit der Integrated Biobank of Luxembourg (IBBL). Den Workflow legte GBN in Kooperation mit der BioBank Dresden (BBD) fest. Die Ergebnisse helfen dabei, Prozesse zu verbessern.  

Übersicht über GBN-Biobanken mit Angaben zur Teilnahme an Ringversuchen