Mit großer Trauer nimmt das German Biobank Network (GBN) Abschied von Dominic Allen, der am 1. August 2026 im Alter von 74 Jahren verstorben ist. Über mehr als ein Jahrzehnt war er bis 2025 Vorsitzender des Scientific and Ethical Advisory Board des German Biobank Node und später des German Biobank Network. In dieser Zeit hat er die Entwicklung des deutschen Biobankennetzwerks maßgeblich mitgeprägt.
Dominic Allen verband langjährige Erfahrung im Bereich der Lebenswissenschaften mit einem Hintergrund in Management und strategischer Unternehmensberatung. Eine wichtige Station war die Integrated BioBank of Luxembourg (IBBL), deren Aufbau er als Chief Operating Officer entscheidend vorantrieb. Seine berufliche Laufbahn führte ihn durch verschiedene Länder, Branchen und Funktionen – von der Ingenieurs- und Beratungstätigkeit über das internationale Finanzwesen bis hin zum Management von Biobanken. Diese fachliche Breite und seine Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden, waren für das GBN von unschätzbarem Wert. Er dachte strategisch, stellte die richtigen – manchmal auch unbequemen – Fragen und behielt stets das große Ganze im Blick. Sein ausgeprägtes Gespür für die langfristige Entwicklung des Biobankings machten ihn zu einem wichtigen Impulsgeber für das Netzwerk.
Auch persönlich wird Dominic Allen vielen im GBN in Erinnerung bleiben. Er war zugewandt, warmherzig und aufrichtig interessiert an den Menschen hinter den Themen. Besonders beeindruckend war seine Fähigkeit, nach langen und intensiven Diskussionen die wesentlichen Gedanken zusammenzuführen und daraus eine klare Perspektive zu entwickeln. Seine tiefe, ruhige und unverwechselbare Stimme ist vielen ebenso im Gedächtnis geblieben wie seine Fähigkeit, auch komplexe Zusammenhänge prägnant auf den Punkt zu bringen. Und nicht zuletzt bereicherte er die Zusammenarbeit mit seinem feinen, oft trockenen Humor.
Mit Dominic Allen verliert das GBN einen wichtigen Wegbegleiter, der die Entwicklung des Netzwerks nachhaltig beeinflusst hat. Wer ihn noch einmal beim Nachdenken über die Zukunft des Biobankings erleben möchte, sei sein 2017 in The Pathologist erschienener Beitrag „A Failed Model“ empfohlen. Darin hinterfragte er etablierte Sammlungsstrategien auf gewohnt pointierte Weise und plädierte dafür, Biobanking stärker an den Anforderungen der Forschung auszurichten. Der Beitrag ist ein schönes Beispiel für seine Fähigkeit, über Fachgrenzen hinwegzudenken und aus einem scheinbar entfernten Bereich wie der Automobilindustrie neue Perspektiven für das Biobanking zu gewinnen.
